European Journal of Nutrition (v.25, #3)

Zweck dieser Arbeit ist es, eine Evaluierung der ernährungsphysiologischen Qualität von Säuglingsfertignahrungen auf Sojabasis unter Berücksichtigung der einschlägigen wissenschaftlichen Literatur vorzunehmen. Bei dieser Beurteilung findet die Indikation von Sojanahrungen bei verminderter Resorptionskapazität des Darmes und Unverträglichkeitserscheinungen besondere Berücksichtigung.The purpose of this review is to evaluate the nutritional quality of soybean-based infant diets on the basis of results published in the scientific literature. Special consideration has been given to the use of soybean protein formulas for infants with reduced intestinal digestion and absorption capacity as well as in cases of cow's milk intolerance and allergic diseases.
Keywords: soybean-based formula; infant feeding; cow's milk intolerance; allergic diseases

Es wird eine kurze übersicht über Eigenschaften, Verwendung und Wirkung von Sulfit bei der Lebensmittelproduktion und der unter Beachtung der gesetzlichen Vorschriften resultierenden Restmengen von Sulfit in Lebensmitteln gegeben. Nach Gegenüberstellung von Metabolisierung und Toxikologie des Sulfits im Säugetierorganismus und dem Auftreten von Unverträglichkeitsreaktionen nach dem Verzehr sulfitierter Lebensmittel wird ein potentiell vorhandenes Gesundheitsrisiko diskutiert. Es wird auf einige Kenntnislücken hingewiesen. Trotz dieser Lücken kann die kontrollierte Verwendung von Sulfit bei der Lebensmittelproduktion weiterhin gerechtfertigt werden.This short review summarizes properties, applications and effects of sulfite in food products, including sulfite residues in foods produced according to legal regulations. Sulfite metabolism and toxicology in the mammalian organism as well as appearance of adverse reactions following ingestion of sulfite-treated food are discussed. Although knowledge in this area is still incomplete, the continued use of sulfite in food technology can be justified.
Keywords: Sulfit; Tagesaufnahme; Stoffwechsel; Toxikologie; Unverträglichkeitsreaktionen

Effects of lead deficiency on lipid metabolism by A. M. Reichlmayr-Lais; M. Kirchgeßner (165-170).
The criteria of lipid metabolism in lead deficiency were determined. For this purpose an experiment was performed with Sprague-Dawley rats distributed in depletion and control groups. The depletion rats were fed an extremely low lead content diet (20±5 ppb), whereas the diet for the control animals was supplemented with 800 ppb Pb++. Dependent on generation, depletion influenced triglyceride content in serum and liver, phospholipid and cholesterol content in liver as well as the whole body fat of the offspring. The results indicate that in mothers the absorption of lipids is impaired. Consequently it is possible that the mothers do not excrete enough fat with milk leading to an energetical deficiency and therefore to reduced growth.Nachdem sich in Modellstudien zum Nachweis der Essentialität von Blei bei unzureichender Pb-Versorgung von Muttertieren Veränderungen im Lipid-Stoffwechsel bei ihren Nachkommen zeigten, sollten im vorliegenden Versuch Parameter des Lipidstoffwechsels sowohl bei Muttertieren als auch bei deren Nachkommen untersucht werden. Der Versuch wurde mit weiblichen Sprague-Dawley-Ratten über mehrere Generationen durchgeführt. Eine teilweise gereinigte halbsynthetische Diät sowie Trinkwasser wurden ad libitum angeboten. Der Pb-Gehalt der Basisdiät, die als Depletionsdiät eingesetzt wurde, betrug 20±5 ppb. Für die Kontrolltiere wurde die Basisdiät mit 800 ppb Pb++ supplementiert. Durch die Depletion an Blei wurde in Abhängigkeit von der Generation der Triglyceridgehalt in Serum und Leber, der Phospholipid- und Cholesterolgehalt der Leber sowie der Gesamtlipidgehalt des Körpers beeinflußt. Im Vergleich zu Kontrolltieren war bei den depletierten Tieren der P0-Generation der Triglyceridgehalt des Serums reduziert und der Gesamtfettgehalt des Körpers unverändert, bei den depletierten Tieren der F1-Generation der Triglyceridgehalt in Serum und Leber reduziert und der Phospholipid- und Cholesterolgehalt der Leber erhöht, bei den depletierten Tieren der P1-Generation der Triglyceridgehalt der Leber erhöht, der Triglyceridgehalt des Serums erheblich vermindert und der Phospholipid- und Cholesterolgehalt der Leber sowie der Gesamtfettgehalt des Körpers unverändert und bei den depletierten Tieren der F2-Generation der Triglycerid-, Phospholipid- und Cholesterolgehalt der Leber unverändert, der Triglyceridgehalt im Serum erhöht sowie der Gesamtfettgehalt des Körpers vermindert.
Keywords: lead depletion; lipid metabolism; serum triglycerides; liver triglycerides; liver phospholipids; total body lipids

This study deals with the metabolic effects of hydrolyzed lactose: After an overnight fast 5 healthy adult volunteers consumed a glucose-galactose mixture equivalent to 61.4g of lactose (or 125g of a dried skim milk powder with hydrolyzed lactose). The postprandial rise of erythrocyte galactose-1-phosphate (gal-1-P) never exceeded 22.3 Μmol per liter packed red blood cells. This amounts to no more than 22 % of the levels known from galactosemic children to be safe, concerning ocular, neural or hepatic damage. We conclude that the consumption of the hydrolyzed lactose does not cause a risk for consumer's health as judged from this galactose metabolite. A considerably higher risk, however, may accompany the consumption of galactose alone which causes around 17-fold higher plasma galactose levels and around 8-fold higher erythrocyte gal-1-P concentrations for more extended time periods.Wir haben die Wirkung einer Glukose-Galaktose-Zufuhr, wie sie bei Aufnahme von Lebensmitteln mit hydrolysierter Laktose auftreten kann, untersucht. Dazu erhielten 5 gesunde erwachsene Versuchspersonen morgens nüchtern je 32,3 g Glukose plus 32,3 g Galaktose (entsprechend 125 g eines Magermilchpulvers mit hydrolysierter Laktose). Die postprandialen erythrozytären Galaktose-1-Phosphat-(Gal-1-P-)Spiegel stiegen bei keinem der Probanden höher als 22,3 Μmol/l gepackter Erythrozyten an. Damit erreichten die Konzentrationen dieses Indikatormetaboliten lediglich 22 % der Spiegel, die sich bei galaktosämischen Kindern als sicher herausgestellt haben, was die Entstehung von Leberoder Hirnschäden bzw. Katarakten angeht. Wir schließen daraus, daß das Kriterium der erythrozytären Gal-1-P-Spiegel kein Stoffwechselrisiko beim Konsum von hydrolysierter Laktose erkennen läßt.Hingegen ist die Aufnahme von Galaktose allein ohne Glukose von 17fach höheren Plasma-Galaktosespiegeln und einer ca. 8fach höheren erythrozytären Gal-1-P-Konzentration begleitet. Die Zufuhr von Galaktose allein dürfte daher ein erheblich höheres Stoffwechselrisiko verursachen.
Keywords: risk; galactose; hydrolyzed lactose; toxicity; galactose-1-phosphate

As determined by in vivo studies using [1-14C]l-leucine and [1-14C] glycine, vitamin E deficiency in young rabbits caused a higher turnover rate of liver proteins and of plasma albumin and globulin fractions. This effect was most clearly and consistently observed in animals fed a diet containing 10 mg of the nonabsorbable polymeric antioxidant Anoxomer per g of fat in the diet.Eine erhöhte Turnover-Rate der Leberproteine, des Plasmaalbumins und der Plasmaglobulinfraktionen in Vitamin-E-frei ernährten jungen Kaninchen wurde durch In-vivo-Untersuchungen mit [1-14C]l-Leuein und [l-14C]Glycin festgestellt. Dieser Effekt trat am deutlichsten auf und war am besten reproduzierbar, wenn das Futter der Tiere 10 mg des nicht resorbierbaren polymeren Antioxidans Anoxomer pro g Fett enthielt.
Keywords: vitamin E; protein turnover; liver proteins; plasma proteins; antioxidant; autoxidation; peroxides; rabbit

The biotransformation of Acarbose (Bay g 5421) by an artificial in vitro system with viable intestinal microorganisms was investigated. The bacteria were obtained from the colon of man or from the caecum and colon of rats and were incubated anaerobically with14C-Acarbose in a nutrient solution. The metabolites were separated and purified by Chromatographic methods and identified by nuclear magnetic resonance (1H;13C) spectrometry and by mass spectrometry.Metabolites in man and rat are component 2 (minus the terminal glucose of Acarbose), a basic disaccharide consisting of rings B and C, and component 1. This latter substance is formed, after hydrolytic cleavage of the internal glucose of Acarbose, by spontaneous rearrangement of rings A and B (Acarviosine) into a tricyclic oxazolidine.The metabolite pattern of Acarbose is changed profoundly after several weeks of pretreatment of man or rat with this compound. The microflora adapted in such a manner yields in addition methylated, hexosylated, and n-butyroylated derivatives of Acarbose and/or component 2.Acarbose wurde mit einem künstlichen In-vitro-System auf Biotransformation durch lebensfähige intestinale Mikroflora geprüft, die aus den unteren Darmabschnitten von Probanden und Ratten stammte. Dazu wurde14C-Acarbose mit Darmkeimen, Nährstoffen und Spurenelementen inkubiert.Das Metabolitmuster von Acarbose setzt sich sowohl bei Menschen als auch bei der Ratte im wesentlichen aus Komponente 2, einem um Ring D ärmeren Homologen aus der Acarbose-Reihe, aus einem basischen Disaccharid, das aus den Ringen B und C des Ausgangsmoleküles besteht, und Komponente 1 zusammen. Letztere Verbindung entsteht durch spontane Umlagerung des nicht faßbaren Acarviosins (Ring A und B) in die trizyklische Verbindung mit Oxazolidin-Struktur. Acarviosin wird bei der Abspaltung von Ring C aus Komponente 2 gebildet.Das Metabolitmuster von Acarbose verändert sich durch eine mehrwöchige Einnahme dieser Substanz im Vergleich zum nicht adaptierten Menschen oder zur nicht adaptierten Ratte gravierend. Adaptierte intestinale Mikroflora liefert sowohl aus Acarbose als auch aus der trizyklischen Komponente 1 reichhaltigere Metabolitmuster. Neben den oben beschriebenen Produkten konnten methylierte, hexosylierte und n-butyrylierte Derivate von Acarbose und/oder Komponente 2 nachgewiesen werden.
Keywords: intestinal bacteria; colonic microflora; Acarbose; anaerobic metabolization; microorganisms

Im Stickstoffbilanzversuch an wachsenden Ratten wurde untersucht, wie sich unterschiedliche Herstellungsverfahren auf die ernährungsphysiologische Eiweißqualität von Trockenflachbroten aus Roggenvollkornschrot auswirken. Es wurden geprüft: unbehandeltes Roggenvollkornschrot, Knäckebrot, extrudiertes Flachbrot ohne und mit 2,5 % und 5 % Gehalt an Saccharose. Die scheinbare Proteinverdaulichkeit (PV) der 5 Proben lag zwischen 69 und 72 % und wurde weder durch das Herstellungsverfahren noch durch den unterschiedlichen Zuckergehalt beeinträchtigt. Gegenüber dem unbehandelten Ausgangsprodukt (NPU=41%, BW=59%) waren Nettoproteinverwertung und biologische Wertigkeit in konventionell hergestelltem Knäckebrot (NPU=35%, BW=48%) und in extrudiertem Flachbrot mit 5 % Zucker (NPU=35 %, BW=51 %) signifikant verringert (P<0,05). In extrudiertem Flachbrot ohne und mit einem Zusatz von 2,5% Saccharose blieben NPU und BW des Ausgangsmaterials im wesentlichen erhalten. Die Ergebnisse zeigen, daß im Vergleich zum Backprozeß die Extrusion von Trockenflachbrot ein schonenderes Verfahren ist. Wird jedoch zur Geschmacksverbesserung bei der Herstellung von extrudiertem Flachbrot mehr als 2,5% Zucker zugesetzt, ist mit einer Proteinschädigung, vermutlich durch die Bildung von Maillard-Reaktionsprodukten, zu rechnen.The effect of various processing methods used for the production of dry flatbread from ground whole rye on the nutritional protein quality were investigated by means of the nitrogen balance method in growing rats. The following products were tested: untreated ground whole rye, baked crisp bread, extruded flatbread without and with the addition of 2.5 % and 5.0 % of saccharose. The apparent protein digestibility (PD) of the 5 samples varied between 69 % and 72 % and was neither affected by the method of processing nor by the difference in sugar content. Compared to the untreated raw material (NPU=41 %; BV=59 %) net protein utilization and biological value in crisp bread baked by the traditional method (NPU=35%; BV=48%) and in extruded flat bread with 5% sugar (NPU= 35%; BV=51%) were significantly reduced (P<0.05). In extruded flatbread without and with 2.5% sugar, NPU and BV of the raw material were essentially maintained. The results indicate that in comparison with the baking process the extrusion of flatbread is more suitable to protect the protein quality. The addition of more than 2.5% sugar caused protein damage in extruded flatbread, presumably as a result of Maillard reactions.
Keywords: Roggenvollkornschrot; Knäckebrot; extrudiertes Flachbrot; Stickstoffbilanz; Proteinqualität

Buchbesprechungen by K. Paulus; G. Trurnit; A. Fricker (205-208).